Der Besuch in der Tierarztpraxis ist für viele Tiere (und auch ihre Halter/-innen) mit Stress und Angst verbunden. Das beginnt bereits bei ungewohnten Gerüchen und Geräuschen und endet leider häufig damit, dass das Tier für Untersuchungen oder Behandlungen auf dem Tisch fixiert werden muss.
Um genau das zu verhindern oder zumindest deutlich zu reduzieren, ist Medical Training so wichtig.
Aber was ist Medical Training?
Als Medical Training bezeichnet man das gezielte, kleinschrittige Aufbauen von Übungen, um ein Tier auf medizinisch relevante Maßnahmen vorzubereiten.
Dabei arbeitet man mit positiver Verstärkung, um Tiere auf angenehme und stressarme Weise an Behandlungen und Pflegemaßnahmen zu gewöhnen. Statt Festhalten und Zwang stehen Kooperation und Belohnung im Vordergrund.
Wie funktioniert Medical Training?
Medical Training basiert auf positiver Verstärkung.
Positive Verstärkung bedeutet: Ich füge etwas Positives hinzu (z. B. Futter, Lob oder Spiel), um ein gewünschtes Verhalten zu fördern.
Kurz gesagt:
zeigen, üben, belohnen, wiederholen
Eine kleinschrittige Vorgehensweise ist dabei besonders wichtig.
Nehmen wir als Beispiel eine Blutentnahme. Dafür sind mehrere Einzelschritte notwendig:
– Das Tier steht ruhig
– Die Pfote bzw. das Bein wird festgehalten
– Die Stelle wird desinfiziert
– Ein Stauschlauch wird angelegt
– Der Stich mit der Nadel
– Abschließend wird ein Druckverband angelegt
Bis auf den eigentlichen Stich können all diese Schritte einzeln und in Ruhe zu Hause geübt werden.
Wie viel von Beginn an trainiert wird, hängt ganz vom jeweiligen Tier ab. Steigt der Stresspegel bereits beim Festhalten der Pfote, sollte man einen Schritt zurückgehen und zunächst nur das ruhige Berühren üben.
Wichtig:
Zeigt ein Tier auch nur leichte Aggression während der Übungen, sollte das Training sofort abgebrochen werden. Bei Hunden empfehlen wir in diesem Fall dringend, einen qualifizierten Hundetrainer hinzuzuziehen, um Verletzungsrisiken für Mensch und Tier zu vermeiden.
Was kann alles trainiert werden?
Nach und nach können viele medizinisch relevante Handlungen geübt werden, zum Beispiel:
– Abtasten des Körpers
– Kontrolle von Ohren, Augen und Zähnen
– Krallen kürzen
– Ruhiges Stehen oder Liegen auf einem Tisch
– u.v.m.
Vorteile des Medical Trainings
– Weniger Stress für Tier und Halter/-in
– Sicherere Untersuchungen
– Geringeres Verletzungsrisiko
– Häufig weniger oder keine Sedation notwendig
Medical Training trägt somit wesentlich zu einem entspannteren Praxisbesuch bei und stärkt gleichzeitig das Vertrauen zwischen Tier, Halter/-in und Praxisteam.